Bericht von Dr. Hans Oester, a. Nationalrat
Die Ortschaft Vésztö mit rund 8'500 Einwohnern liegt in einem sehr armen Gebiet Ungarns. Die Reise, die wir zusammen mit meiner Frau im Oktober 1995 nach Ostungarn unternommen haben, hat den Verein Helvetia-Hungaria mit der dortigen reformierten Kirchgemeinde in Kontakt gebracht. Diese führt neben einer Primarschule ein Heim für oft mittellose Betagte. Beides ohne jegliche Unterstützung durch die Ortsbehörde.
In meinem damaligen Bericht als Vizepräsident schrieb ich an den Vorstand: „Vor Ort haben wir uns davon überzeugen können, dass das in der Jugend- wie in der Betagtenbetreuung beispielhaft engagierte Pfarrer-Ehepaar hervorragende Arbeit leistet. Der gute Geist ist überall spürbar. Die meist volle Kirche legt Zeugnis für das glaubwürdige Wirken des Ehepaars Juhász ab. Sein Ideenreichtum, die Tatkraft bei der Lösung „unlösbarer“ Probleme und das mitmenschliche Engagement für Kinder und Betagte hat uns tief beeindruckt. Pfadfinderlager z.B. organisieren der Pfarrer und seine Frau selber; sie kochen auch für die Kinder. Gebrauchte Schulbänke holte der Herr Pfarrer eigens per Lastwagen in Zwolle (Holland) ab. Als der Wunsch entstand, dass die Kinder Deutsch lernen sollten, gab anfänglich Frau Pfr. Juhász auch diesen Unterricht.“
Rasch wurde klar, dass die arme Kirchgemeinde die Mittel zur Finanzierung der drängenden Bauvorhaben – Unterhalt, Ausbau von Schule und Altersheim, Behebung von Feuchteschäden – aus eigener Kraft nicht aufbringt. Dies obwohl Gemeindeglieder einen beträchtlichen Teil der Bauarbeiten im freiwilligen Frondienst ausführten.
Der Vorstand unserer Gesellschaft hat sich deshalb aus voller Überzeugung entschlossen, die mustergültige Arbeit in Vésztö tatkräftig zu unterstützen. Das ist seither in beträchtlichem Umfang geschehen, auch was die Gebäude-Einrichtungen und das Schulmaterial betrifft. Heim und Schule konnten sich ganz erfreulich entwickeln; sie können sich des Zuspruchs kaum erwehren.
Von Privatpersonen, politischen und Kirchgemeinden durften wir namhafte Beiträge entgegen nehmen. Auf diese Solidarität ist Vésztö auch in Zukunft angewiesen – nicht zuletzt für die willkommenen Weihnachtsgaben an die Bewohner(innen) und ihre engagierten, aber schlecht entlöhnten Betreuerinnen im Altersheim.
Soziales